Eigentlich müsste ich nun mit der Anrede „Liebe
Liebenden“ beginnen,
denn die Geschichte der Sexualität ist eine Geschichte
voller Missverständnisse.
Da die Aufklärung aber sicherlich in jedem
studentischen, referendarischen und junganwaltlichen
Hirn bereits Einzug
gehalten haben dürfte, darf ich alle, die auf Schlüpfrigkeiten oder neue
Erkenntnisse für ihr Sexualleben gehofft haben, hiermit enttäuschen.
Das Intimes ist eine bilaterale Kombination
gepflegter Abendunterhaltung.
Zum einen Kino, zum anderen Bar und Restaurant.
Zwei Eingänge, eine Straßenecke.
Seit einer Zeit irgendwann zwischen 1912 und 1931
– hier streiten sich die Experten –
bietet das Kino für alle Filmliebhaber eine
perfekte Alternative zum Multiplex von
nebenan. Neben ausgewählten Filmen des
üblichen hollywoodlastigen Großkinoprogrammes,
zeigt das Intimes hauptsächlich
Independentstreifen,
gern auch in Erstaufführung und Originalton.
Das bedeutet keinesfalls, dass es sich hierbei
ausschließlich um Öko-, Emo-, Polit- und Sozialdramen
bzw. –studien handelt.
Nein, wer wirklich gute Filme liebt, kommt
vollumfänglich auf seine Kosten.
Apropos Kosten, das Intimes ist nicht nur
wahnsinnig gemütlich (Beinfreiheit, rote
oldschool Kinosessel wie der Kenner
sie liebt), auch die Preise liefern exzellente Überzeugungsarbeit
für einen
Erst- und Folgebesuch.
An normalen Tagen beträgt der Eintritt 6,50 €,
Kinderkino kostet junge Eltern 2,50 €
pro Kopf. Allerdings erschöpfen sich die
normalen Tage in der kurzen Zeitspanne von Donnerstag
bis Samstag. Sonntag,
Montag, Dienstag und Mittwoch ist Kinotag mit
einem Eintrittspreis von 3,50 €.
Gerade donnerstags sollte man daher schon rechtzeitig
den Freund oder die
Freundin (wer kann vielleicht sogar den Sekretär oder die
persönliche Assistentin)
losschicken um Tickets zu besorgen bevor die ca. 80
Sitzplätze vergeben sind.
Snacks und Getränke sowie Tickets gibt’s vom
Kinoinhaber- Schrägstrich Filmvorführer- Schrägstrich Ticketverkäufer-
Schrägstrich Gastronomiefachmann höchstpersönlich.
Und auch hier bleibt der
Geldbeutel erfreulich verschont.
Die genauen Preise aller Snacks und Getränke
entziehen sich zwar meiner Kenntnis,
doch lassen 0,5 l Bier für 1,30 € bis 1,80
€, im Gegensatz zu 3,50 € für 0,3 l im Multiplex
der Nachbarschaft, wohl tief
blicken. Genauere Fragen beantwortet unser
multitalentierter Kinoinhaber
sicherlich gern vor Ort.
Das absolute Totschlagargument für einen Besuch
des Intimes wird alle Leserinnen
sicherlich absolut entzücken und damit leider
auch den Herren jegliche Entschei-dungsfreiheit
in der Kinowahl nehmen. (Denn
wenn wir ehrlich sind, so wissen wir
doch alle ganz genau wer über die gemeinsame
Abendplanung entscheidet.)
Stellen wir uns zur besseren Veranschaulichung
einfach folgendes Szenario vor:
Der Kinofilm läuft im geliebten Multiplex seit
ungefähr 20 Minuten. Inklusive Werbung
sitzen beispielsweise zwei junge Pärchen
- wahlweise auch einegeschlechtergemischte Gruppe
aufstrebender Noch- oder Nichtmehrstudenten
–seit mindestens 50 Minuten im
Kino. Der halbe Liter Cola oder das Bier sind
bereits fast lehr. Nun muss die weibliche Fraktion
erfahrungsgemäß aber
wiederum seit 10 bis 20 Minuten extrem dringend auf
die Toillette, da
präventive Toilettenbesuche vor dem Film zumeist lediglich das Gemüt, aber
nicht
die Blase beruhigen. Für unsere Kinobesucherinnen bedeutet dies in diesem
Falle, dass Sie sich an mindestens 10 Menschen vorbei aus Reihe D schlängeln
müssen,
was sie für Mitcineasten besagter Sitzreihe bestimmt unwahrscheinlich
sympathisch macht. Dann
geht’s die Treppe runter, den ersten Gang zum Ausgang
von Kino 3 entlang, den kurzen Vorraum
von Kino 3 durchqueren, den Flur am netten
Kinomitarbeiter durch-schreiten, noch zwei Mal links
und drei Türen weiter ist
endlich die Toillette erreicht.
Auf dem Rückweg erneut 150 Meter und 12 Türen
hinter sich bringen (Nicht vergessen
einen weiteren halben Liter Cola zu holen
und den/die Kinomitarbeiter/in anzulächeln!)
und eine viertel Stunde später hat
man es geschafft. Im Idealfall belassen es die
10 Reihe D Nutzer auf dem
Rückweg bei einem vorwurfsvollen Stöhnen und die
verpasste Schlüsselszene des
Films kann man sich ja auch von seiner Begleitung
erklären lassen.
Selbige Szene im Intimes:
Aufstehen, an 2 bis 5 netten Menschen vorbei,
ohne dass diese auf die Lehnen steigen müssen um
jemanden vorbei zu lassen, ca.
2 Meter den Seitengang des Kinosaals entlang, Tür öffnen und Ziel
erreicht. Verglichen
mit oben beschriebenen Kinobesuch läuft hier der Film im Übrigen tatsächlich
seit 50 Minuten, auf Reklame wartet der Multiplexliebhaber fast immer vergeblich.
Kommen wir nach dieser kurzen Lektion in Lebenskunde
aber nun zur zweiten Tür der
hier thematisierten Straßenecke. Wie bereits
erwähnt findet sich hinter Tor Nummer 2
eine Bar bzw. ein Restaurant unter
gleichem Namen.
Neben nettem, aber doch zuweilen ein wenig
zerstreutem Personal – man richte sich
darauf ein seine Bestellung auf
Nachfrage zu wiederholen – eröffnet die andere Hälfte
des Intimes zwei
erwähnenswerte Highlights: unheimlich leckeres und gutes Essen sowie einen
beschaulichen
Biergarten mit Blick auf die Kreuzung Boxhagener/Niederbarnim. Zugegeben,
verkehrsberuhigt bedeutet etwas anderes, empfehlen kann ich ein
dortiges
Abendmahl und mehrere kühle Getränke an einem lauen Sommerabend
aber trotzdem
guten Gewissens. Und wer es an einem solchen Abend übertrieben
hat, dem sei
auch ein gepflegtes Katerfrühstück in der sonntäglichen Frühnach-mittagssonne ans
Herz gelegt.
Denn bekanntlich soll man ja weitermachen, womit man nachts
aufhörte.
Nun noch die wichtigsten Eckdaten für Euren
nächsten Besuch:
Kino IntimesKinocafé
Intimes
Niederbarnimstr. 15Boxhagener
Str. 107
10247 Berlin - Friedrichshain 10245Berlin
- Friedrichshain