22.07.2009 +++ INTERVIEW MIT AUTOREN DES INSIDER-DOSSIER
Großkanzlei ... Dieses Wort löst bei Jurastudenten und Rechtsreferendaren höchst unterschiedliche Reaktionen aus. Für die einen ein Traum, für andere hingegen ein Albtraum. Meist jedoch beruht die Bewertung von Großkanzleien vor allem auf Unkenntnis. Nun hat der Verlag sqeaker.net ein Insider-Dossier mit dem Titel "Karriere in der Großkanzlei - Bewerbung, Einstieg und Aufstieg" herausgegeben. Es soll - laut Klappentext - ambitionierten Studenten, Referendaren und Berufseinsteigern
den entscheidenden Wissensvorsprung bei der Karriereplanung geben. Eine vollmundige Aussage, die Referendare.net im Interview mit den Autoren des Dossiers, Nicolas Nohlen und Caspar Behme, überprüft hat ...
Herr Nohlen, Herr Brehme, was war der Grund für Sich, das Insider-Dossier „Karriere in der Großkanzlei“ zu schreiben?
Nohlen: Die Gewissheit, dass ein solches Buch, das komprimiert alle wichtigen
Informationen zum Einstieg in die Großkanzlei enthält, bislang nicht
existiert und die Überzeugung, dass ein solches Buch vielen Bewerbern eine
große Hilfe sein wird.
Behme: Wir haben beide den Berufseinstieg noch vor uns, sind also gewissermaßen
unsere eigene Zielgruppe. Insofern haben wir das Fehlen einer vergleichbaren
Publikation selbst als Mangel empfunden. Es war für uns ein sehr spannendes
Projekt, diese Lücke zu schließen.
Das
Insider-Dossier kostet 24,90 EUR. Wer soll das Buch kaufen und warum?
Nohlen: Unsere Hauptzielgruppe sind diejenigen, die erstmals den Einstieg in die
Großkanzlei planen, sei es als Student, als Referendar oder als Berufseinsteiger.
Denn nach Lektüre des Buches werden die Wahl der richtigen Kanzlei und des passenden
Fachbereichs, sowie die Bewerbung und die ersten Wochen in der Kanzlei kein
Problem darstellen. Daneben spricht das Buch aber auch diejenigen an, die
einfach daran interessiert sind, wie die Branche tatsächlich tickt. Der Preis
ist insbesondere gerechtfertigt, wenn man sich den Zeit- und Kostenaufwand vor
Augen führt, der damit verbunden ist, sich regelmäßig anhand einschlägiger
Zeitschriften zu informieren.
Die
"Insider" sind Sie als Autoren. Worauf begründen Sie Ihre Insider-Eigenschaft?
Nohlen: Die Insider sind nicht nur die Autoren, sondern vor allem auch die zahlreichen
Partner und Anwälte der Großkanzleien, die in dem Buch teils mit eigenen
Beiträgen, teils mit hilfreichen Zitaten zu Wort kommen. Was uns Autoren
betrifft, so haben wir beide mehrere Jahre als Praktikant, Wissenschaftlicher
Mitarbeiter oder Referendar in verschiedenen Großkanzleien verbracht und kennen
daher den "Stallgeruch".
Behme: Hinzu kommt, dass wir durch unsere Tätigkeit in den Kanzleien, aber auch über
das squeaker.net-Netzwerk sehr viele Juristen kennengelernt haben, die als
Anwalt in einer Großkanzlei arbeiten oder dies anstreben. Für jedes Kapitel des
Buches haben wir mit diesen Personen zahlreiche Gespräche geführt und auf diese
Weise viele Informationen von erfahrenen Partnern und Anwälten der führenden
Großkanzleien erhalten, aber auch erfahren, welche Fragen potentielle Bewerber
bewegen.
Was
ist für Sie der Reiz an der Tätigkeit in einer Großkanzlei?
Behme: Letztlich träumt jeder Jurist, der Anwalt werden möchte, von möglichst
spannenden und fordernden Mandaten. Für den Strafrechtler mögen dies spektakuläre
Mordprozesse oder dergleichen sein. Für Absolventen, die sich wie ich schon im
Studium hauptsächlich für das Gesellschaftsrecht interessiert und darin ihren
Schwerpunkt gesetzt haben, sind dies die großen Unternehmenstransaktionen, wie
etwa die aktuellen Geschehnisse um Porsche und Volkswagen. Solche Fälle werden
nun einmal von Großkanzleien bearbeitet.
Nohlen: Aber natürlich ist der unternehmensrechtliche Hintergrund im Studium nicht
zwingend. Ich selbst etwa habe mich lange Zeit mit dem Völkerrecht beschäftigt.
Es gibt einfach kaum einen Arbeitgeber, der ein so großes Spektrum juristisch
reizvoller Tätigkeit bei zugleich so vorzüglichen Rahmenbedingungen bietet wie
eine Großkanzlei.
Was
ist denn eigentlich eine Großkanzlei? Gibt es hierfür eine formelle Definition,
zahlenmäßige Vorgaben?
Behme: An einer bestimmten Zahl von Anwälten lässt sich das nicht festmachen,
auch wenn dies teilweise versucht wird. Entscheidend ist eine
Gesamtbetrachtung: Welche Art von Mandaten bearbeitet eine Kanzlei? Ist sie
international aufgestellt? Das heißt: Wo hat sie Büros, wo verfügt sie über
eine entsprechende Marktstellung?
Ihr
Dossier soll laut Umschlagseite Studenten, Referendaren und Berufseinsteigern „den
entscheidenden Wissensvorsprung“ liefern. Was liefert Ihr Dossier, was andere
Dossiers nicht auch enthalten, was ist sein „USP“?
Nohlen: Zunächst: Es gibt ja gerade kein anderes Dossier, Buch oder einen anderen
Ratgeber für die Großkanzlei. Hier besteht ein großer Unterschied zwischen
Juristen und BWLern, für die eine ganze Flut von Bewerbungsratgebern existiert.
Hilfreiche Informationen für Juristen finden sich nur peu à peu in
verschiedenen Zeitschriften wie etwa der JUVE. Aus diesem Grunde bietet das Insider-Dossier
auch über die dort gelieferten Inhalte hinaus durch die zahlreichen ganz
konkreten Mandatsbeispiele, durch die ebenfalls an konkreten Beispielen dargestellten
dos and dont's in den ersten Arbeitswochen und -monaten sowie durch die
zahlreichen Insider-Zitate erfahrener Partner einen einzigartigen
Informationsmehrwert.
In
welche groben Abschnitte ist Ihr Dossier aufgeteilt?
Behme: Das Buch enthält zunächst eine umfangreiche Übersicht über den
Großkanzleimarkt und mögliche Berufswege und gibt dann ganz konkrete Hinweise
für die Karriereplanung und die Bewerbung und schließlich das Auftreten in der
Großkanzlei, wenn die Bewerbung erfolgreich war. Daneben enthält das Buch 16
Fachbeiträge, in denen die einzelnen Fachbereiche der Kanzleien aus der
Perspektive eines First-Year-Associates nach einem einheitlichen Muster
vorgestellt werden. Insofern ist ein hohes Maß an Vergleichbarkeit
gewährleistet. Am Ende des Buches stehen Profile der führenden Großkanzleien,
die das Entstehen des Buches unterstützt haben.
Als
Partner des Buches werden auf der Rückseite genau diejenigen Unternehmen
genannt, die im Profil vorgestellt werden. Zudem findet sich nach jedem
Kanzleiprofil eine Stellenanzeige des jeweiligen Unternehmens. Das klingt
weniger nach unabhängigem Kanzlei-Check, als nach „gesponsertem Branchenbuch“.
Falsch?
Nohlen: Die Kanzleien hatten keinen Einfluss auf den von uns verfassten Inhalt
des Buches. Viele Großkanzleien nutzen mittlerweilehochwertige Informationsmedien
als Präsentationsmöglichkeit. Ohne diese Art von finanziellem Engagement ließe
sich eine Recherche-intensive und hochspezifische Publikation wie unsere kaum
realisieren – zumindest nicht zu einem so günstigen Buchpreis.
Behme: Die meisten Kanzleibeiträge machen das Buch für den Leser sogar noch
wertvoller. Wir betrachten es als ein Gütesiegel, dass sich 18 anspruchsvolle
Kanzleien dafür entschieden haben, Partner des Buches zu werden.
Es
fehlen Kanzleien wie Beiten Burkhard oder Lovells, unstreitig auch wichtige
Großkanzleien. Auf welcher Basis wurden gerade diese 18 Unternehmen von Ihnen
ausgewählt? Warum sind Beiten Burkhard und Lovells nicht dabei?
Nohlen: Der Markt ist so groß, da können Sie schon organisatorisch gar nicht alle
Marktteilnehmer in einer Publikation berücksichtigen. Und natürlich gibt es
Kanzleien, die einen größeren Recruiting-Bedarf haben als andere und damit auch
eher bereit sind, sich an einem solchen Projekt zu beteiligen.
Behme: Richtig, denn damit ist ja nicht nur finanzieller, sondern auch zeitlicher
Aufwand verbunden. So einen Fachbeitrag schreibt man nicht mal eben nebenher.
Sind
die Kanzleiprofile Ergebnis eigenständiger Recherche oder wurden Sie von den
Kanzleien zur Verfügung gestellt bzw. gemeinsam mit Ihnen erstellt?
Nohlen: Damit sich die einzelnen Kanzleien besser miteinander vergleichen lassen,
haben wir unseren Partnern einen strukturellen Rahmen vorgegeben. Verfasst
wurden die Profile dann aber von den Kanzleien selbst. Ich denke, auf diese
Weise ist uns ein guter Spagat zwischen echtem inhaltlichen Mehrwert für die
Leser und Präsentationsmöglichkeit für die Kanzleien geglückt.
Großkanzleien
unterscheiden sich sehr stark von der Unternehmenspolitik, -philosphie,
-kommunikation, vom Teamplaying her, nicht nur im positiven Sinne. Es ist, auch
in Großkanzleien, nicht alles Gold, was glänzt. Der Titel „Insider-Dossiers“
lässt hoffen, dass auch diese Seiten in den Großkanzleien gezeigt werden, weil
auch diese Seiten für potentielle Bewerber wichtig sind. Es fehlt jedoch jegliche
kritische Auseinandersetzung mit den Kanzleien. Warum?
Nohlen: Natürlich gibt es Dinge, die man kritisch sehen muss. Wir weisen ja auch
durchaus auf einige Dinge – Leistungsdruck, übertriebenes Konkurrenzdenken, „Face
Time“ oder auch schlicht launische Partner – hin. Aber wir tun dies nicht
destruktiv mit dem Ziel, die Großkanzlei als solche schlecht zu machen, sondern
um dem Leser konstruktiv aufzuzeigen, wie er damit umgehen sollte.
Behme: Auf eine kritische Auseinandersetzung mit bestimmten Kanzleien haben wir
bewusst verzichtet, weil wir keine notwendigerweise subjektive Empfehlung für
oder gegen eine bestimmte Kanzlei aussprechen wollten. Unser Buch gibt dem
Leser lediglich eine Entscheidungshilfe, indem er ihm die wichtigsten Kriterien
aufzeigt, die bei der Wahl des Arbeitgebers eine Rolle spielen sollten.
Welche
Maxime würden Sie potentiellen Bewerbern für Groß-Kanzleien mit auf den Weg
geben?
Behme: Zwei Dinge. Zum einen sollte man sich
von irgendwelchen Legenden – positiver oder negativer Art – über Großkanzleien
nicht beeinflussen lassen, sondern sich ein eigenes Bild machen. Zum anderen
ein Wort eines Heidelberger Juraprofessors, das dieser uns in unserer ersten
Veranstaltung im Zivilrecht im ersten Semester mit auf den Weg gegeben hat:
„Meine Damen und Herren, die Sterne sind ganz nah. Sie müssen nur zugreifen!
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Wer sich nach der Lektüre des Interviews für das Insider-Dossier interessiert, der kann sich hier über das Insider-Dossier erkundigen informieren.