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10.08.2009
JURISTEREI & LYRIK - INTERVIEW MIT MARTINA WEBER ...

Martina Weber ist Juristin und Lyrikerin in einem und verdient auch mit beidem ihr Geld. Sie erhielt gerade das Autorenstipendium der Stadt Frankfurt, gewann 2007 Mannheimer Heinrich-Vetter-Preis und im Jahr 2008 den Georg K. Glaser Förderpreis des Landes Rheinland Pfalz und des Südwestrundfunks. Die Verbindung von Juristerei und Lyrik ist seit Goethe nicht mehr ganz so populär. Grund genug für referendare.net,  Frau Weber im Interview zum Thema Lyrik & Juristerei ein paar Fragen zu stellen  ...


Frau Weber, Sie haben gerade das Autorenstipendium der Stadt Frankfurt erhalten. Geben Sie uns eine Kostprobe Ihres lyrischen Könnens!

Hier ist eines meiner Gedichte, das in die Jahreszeit passt:

 

an diesem ende der insel der leuchtturm

der lichtturm verlottert und ohne café

bröckeln felsen weich zerrieben zwischen fingern

 

auf die wäsche im winzigen garten fällt blau

flackerndes licht vom einzigen haus

mit nicht geschlossenen fensterläden

 

zusammengefaltete stimmen kinder

in jogginghosen drehn an der parabolantenne

die richtige strahlung richtiges leben im blick

 

(© Martina Weber)

 

Sie sind von Haus aus Juristin. Wie wurde aus der Ass. iur. Martina Weber die erste Stipendiatin des Autorenstipendiums der Stadt Frankfurt?

Nach der Hausarbeit für das zweite Staatsexamen hatte ich fast ein halbes Jahr Zeit bis zur mündlichen Prüfung. Ich habe damals beschlossen, genau das zu tun, was ich schon immer wollte, was mir bis dahin aber nicht gelungen war, nämlich ernsthaft das literarische Schreiben anzugehen. Ich habe mit Prosa angefangen, erste Kurzgeschichten veröffentlicht und kleine Preise bekommen. Irgendwann hat mich dann die Lyrik begeistert, ich habe viel gelesen und mir Hintergrundwissen erarbeitet. Als Redakteurin der Autorenzeitschrift "Federwelt" habe ich drei Jahre lang jeden Monat Rezensionen und Artikel über das Schreibhandwerk verfasst und dabei sehr viel gelernt. Ich war Teilnehmerin der Textwerkstatt von Kurt Drawert in Darmstadt, was für mich enorm hilfreich war, um einen professionellen Blick auf Literatur zu entwickeln.


Sie haben dann ein Fachbuch über das Gedichte schreiben verfasst ...

Ja, es hat den Titel "Zwischen Handwerk und Inspiration. Lyrik schreiben und veröffentlichen". Im vergangenen Jahr gab es eine zweite, völlig überarbeitete Auflage im Uschtrin Verlag. Im Lauf der Zeit habe ich versucht, einen eigenen Ansatz in der Lyrik zu entwickeln, von dem ich das Gefühl habe, dass er Ausdruck meiner Wahrnehmung und Lebenshaltung ist.

 

Wie kann man sich heutzutage als Schriftsteller profilieren?

Die typische Laufbahn als Schreibender verläuft so, dass man versucht, sich durch Publikationen in Literaturzeitschriften und Anthologien einen Namen zu machen. Es gibt auf diesem Bereich eine Fülle von Zeitschriften, die der breiten Öffentlichkeit völlig unbekannt sind. Man versucht sich zu den renommierten Zeitschriften hochzuarbeiten. Auf meiner Publikationsliste stehen unter anderem das "Jahrbuch der Lyrik" (erschienen im Verlag S. Fischer), "Macondo", "außerdem", das Internetportal poetenladen.de, das im Verlag Brandes & Apsel erscheinende "Jahrbuch der Literatur" und das aktuelle Heft der Literaturzeitschrift "Sinn und Form" (Heft 4/2009). Auf das Frankfurter Autorenstipendium hatte mich ein Schriftsteller aufmerksam gemacht, mit dem ich mich seit Jahren in einem Café zur Textbesprechung treffe. Ich war völlig verblüfft, als mich Frau Dr. Vandenrath vom Kulturamt Frankfurt anrief und mir mitteilte, die Jury hätte mich ausgewählt. 

 

Goethe war Jurist, Bernhard Schlink auch. Ist die juristische Ausbildung hilfreich für die Tätigkeit als Schriftsteller?

Hilfreich ist die Schulung im genauen Umgang mit der Sprache. Die Fähigkeit, etwas auf den Punkt zu bringen und einem Nichtjuristen oder Kollegen einen Sachverhalt inklusive Lösungsvorschlag zu vermitteln. Hinzu kommen die Sachlichkeit, der klare Blick und der Ernst, der hinter vielen juristischen Problemen und Aktenfällen steckt. Die juristische Ausbildung verlangt Durchhaltevermögen, Rückzug, Konzentration und innere Sammlung. Alle diese Fähigkeiten sind mir auch bei der Arbeit an meiner Lyrik hilfreich.

 
Haben lyrische und juristische Texte aus Ihrer Sicht etwas gemein?

Ich könnte allenfalls die Auslegungsbedürftigkeit von Gesetzen anführen, vielleicht noch die Vermittlung eines inhaltlichen Zusammenhangs, aber dann hört es schon auf. Die Unterschiede überwiegen. Es geht in der Lyrik nicht darum, logisch nachvollziehbare Aussagen oder gar Vorschriften über Soll-Zustände zu machen. Im Gedicht muss etwas nicht Ausgesprochenes spürbar sein, etwas jenseits des Intellekts: Magie und Musikalität. Es gibt Gedichte, die die Geltungsdauer des BGB bei weitem übertreffen.

 

Spielt die Juristerei aktuell noch eine Rolle in Ihrem beruflichen Leben?

Aber ja! Ich arbeite sehr gern juristisch. Mit meiner Lyrik stehe ich schließlich noch am Anfang, ich arbeite noch am ersten Gedichtband. Als Juristin arbeite ich freiberuflich als wissenschaftliche Autorin und als Dozentin, ich habe sieben juristische Fachbücher veröffentlicht, mein juristisches Hauptwerk ist mein 570-Seiten-Handbuch "Arbeitsrecht für Pflegeberufe" mit vielen Musterverträgen auf CD ROM, erschienen im Verlag Kohlhammer. Außerdem schreibe ich Ausbildungsliteratur für den Richter Verlag ("Familienrecht", "Arbeitsrecht" sowie "Arbeitsrecht für das Referendariat"), zurzeit arbeite ich an dem Band "Strafrecht für das Referendariat" und ich plane ein Buch zum Themenkreis Sterbehilfe und Patientenverfügung. Ich habe zwölf Jahre lang nebenberuflich als Dozentin in der Pflegeausbildung gearbeitet und ich halte Vorträge auf Kongressen zur Pflegefortbildung. Ich publiziere juristische Fachartikel in verschiedenen Pflegezeitschriften. Ich genieße meine Freiheit und ich liebe die Vielfalt meiner Arbeit.

 
Können Sie von Ihrer Autorentätigkeit leben?

Vom Lyrikschreiben können in Deutschland vermutlich nicht einmal ein Dutzend Lyrikerinnen und Lyriker finanziell überleben. Dabei zählen alle Einkommensquellen, die mit der Lyrik verknüpft sind, mit: Vorschüsse und Honorare aus Buchverkäufen und Lesungen, Stipendien und Preise. Ich komme mit meiner Mischfinanzierung klar, aber ich weiß sehr gut, was Verzicht auf Geld bedeutet. Letztlich ist es eine Entscheidung darüber, welchen Werten man den Vorrang einräumt und welches Leben man führen will.


Werden Sie sich auf die Schriftstellerei fokussieren?

Ein Gedicht zu schreiben ist nicht so berechenbar wie das Verfassen eines Fachartikels oder Fachbuches. Auch deshalb ergänzt sich für mich das Nebeneinander sehr gut. Ich kann mir zurzeit nicht vorstellen, auf die Lyrik oder auf die Rechtswissenschaft zu verzichten.


Welches lyrische Werk hätten Sie gerne selbst geschrieben?

Zwei Gedichtbände, die ich sehr bewundere, sind "Türkises Alphabet" von Jennifer Poehler und "Grund zu Schafen" von Marion Poschmann. Außerdem einzelne Gedichte, zum Beispiel von Friederike Mayröcker, William Stanley Merwin, Andrea Zanzotto, Christian Hawkey, Guiseppe Ungaretti und Nathalie Schmid. Ich würde aber nicht so weit gehen, dass ich diese Gedichte gern selbst geschrieben hätte. Die Lyrik ist doch zu individuell mit der ganzen Person des Schreibenden verknüpft.


Ad-hoc-Poesie zum Ende: Könnten Sie unseren Lesern einen spontanen 4-Zeiler zum Thema „juristisches Staatsexamen“ entwerfen?

Da fällt mir nur eine Antwort ein,

und die wird keinen Prüfer freun:

Zu Ihrer Frage hab ich keinen Draht.

Ich bitte um ein Surrogat.


Foto: Dorothee Biedermann

 

Internetseiten zu Martina Weber:

 

Verfasst von Team JuReport
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