06.11.2008 HARTE ZEITEN FüR DAS F***-WORT DROHEN - PATENT VON MICROSOFT FILTERT SCHIMPFWöRTER AUS LIVESTREAM
Das Internet ist voll von
Sex, Drugs ´n Rock´n Roll. Das passt nicht jedem, schon gar nicht in den USA. Daher
lässt sich gerade in den USA mit allem,
was Moral und Sitte stärkt, noch richtig viel Geld verdienen, vor allem mit
Hilfe des Patentrechts. Das dachte sich wohl auch Microsoft. Die Firma von Bill
Gates hat nun ein Patent von dem US-Patentamt zugesprochen bekommen, mit dem es
Schimpfwörtern oder anzüglichen Begriffen an den Kragen gehen soll. Man muss
befürchten, dass Snoopy Dog nie wieder
das "F-Wort" über das Internet verbreiten kann ....
Microsoft hat eine
Filter-Software erfunden, mit der es möglich sein soll, unliebsame Wörter aus
Live-Audio-Streams automatisch mit einem Piepton zu überlagern. Bereits am 28. Oktober 2004 meldete
Microsoft das Patent an, bei digitalen Übertragungen mittels einer Filter-Software
unerwünschte Begriffe aus dem Datenstrom zu entfernen. Das United States Patent and Trademark Office (USPTO),
das amerikanische Pendant zum DPMA, brauchte vier Jahre, um dem Antrag
zuzustimmen, so dass Online-Magazins Ars
Technica.
Wie
funktioniert die Software? Ein Filter vergleicht die im Datenstrom enthaltenen
Wörter und Formulierungen mit einer Datenbank, in der unerwünschte Inhalte
festgehalten sind. Bei Übereinstimmungen wird der problematische
Begriff entweder überpiept oder lautlos gedreht. Es soll sogar möglich sein, die inakzeptbable durch eine akzeptable Formulierung automatisch zu ersetzen. Dei Software ist vor allem auch für die sorgenfreieLive-Übertragungen von Großveranstaltungen gedacht. Bislang wurden entsprechende Veranstaltungen mit
einer Zeitverzögerung von einigen Sekunden übertragen. Das ließt den TV-Mitarbeitern die Zeit, im Notfall eingreifen und Kraftausdrücke
bearbeiten zu können. Das ist nicht nur ein Dienst am Zuschauer: Gerade in den USA
drohen sowohl dem Aussprecher als auch dem Versender solcher Schimpfwörter
empfindliche Geldstrafen (so wurde der US-Sender CBS, der das besagte
Superbowl-Finale live übertragen hatte, von der Medienaufsicht auf
Schadensersatzzahlungen in Höhe von 550.000 USD verklagt und hätte um ein Haar
gewonnen (Link).
Der USP der
Microsoft-Software wäre demnach, dass es weder einer Zeitverzögerung noch eines
Menschen mehr bedarf, um "reine" Inhalte zu garantieren. Die Filter-Software
könnte sogar je nach Sendung, Zielgruppe und Uhrzeit justiert werden. Eine kontextsensitive Filterung könnte nach Aussage des
Unternehmens sogar dafür sorgen, dass auch die Ausdrücke entdeckt werden
können, die nur im Textzusammenhang als problematisch gelten.
Eines steht fest:
Wenn die Software wirklich funktioniert und individuell eingestellt werden
kann, dann wird das Piepen bei Livestreams, aber auch bei
Video-on-Demand-Angeboten zur Plage. Schwer zu glauben, dass das die Nutzer
mitmachen würden.
Der nächste
logische Schritt wäre übrigens eine Software, die unliebsame Bilder automatisch pixelt.
Janet Jacksons Auftritt („nackte Brust“) beim Superbowl-Finale lässt grüßen.
Ein ganz
besonderes Schmankerl ist der Patentanspruch zu der Software (Beschreibung des
Patents). Patentansprüche sind eine Welt für sich, in der sogar die meisten
Juristen nichts als Bahnhof verstehen (daher können Rechtsanwälte ja auch keine
Patentanwälte werden, wenn sie nicht gerade zufällig auch noch Physiker,
Ingenieure o.ä. sind). Durchaus lesenswert, wenn man Zeit und Muße hat. Hier der Link …